MEINE ERSTE PAUSCHALREISE

Aus einer Laune heraus habe ich mich vor zwei Tagen dazu entschieden, dem elenden Regenwetter in Deutschland zu entfliehen und mich lieber auf Mallorca mit Sangria begießen zu lassen. Nur habe ich mich nach den letzten zwei Urlauben mit stressigen Standbyflügen und dem ewigen Bangen, ob ich denn nun noch Platz auf dem Flieger finde, dazu entschlossen, bequem eine Pauschalreise zu buchen und mich wie ein ganz normaler Urlauber zu benehmen. Ein kleiner, kaum erwähnenswerter Nachteil ist, dass man sich die Flugzeiten und die Airline nicht unbedingt aussuchen kann und so kommt es, dass ich mich schon zu einer recht unmenschlichen Zeit auf den Weg zum Flughafen begeben muss, ohne Flugtickets und dergleichen, denn diese soll ich am Ticketschalter in Frankfurt erhalten.

Tja, jetzt fängt es schon damit an, dass ich EXTREME Schwierigkeiten habe, bei mir allerdings bekannterweise ansonsten auch nicht wirklich ungewöhnlich , meinen Koffer zu packen. Vier Tage und doch irgendwie schon der riesen Koffer komplett voll. Ich gebe zu, es ist schon kompliziert, wenn man so vielseitige Interessen hat: Sportsachen, Strandutensilien, ALL diese Pflegeprodukte, Sightseeingoutfit, Ausgehnotpack usw. Auch hat man schon die seltsame Angewohnheit, sich durch oft vorkommende sonderbare "Arbeits"- Reiseziele, Proviant für die nächsten Tage einzupacken. Man ist es als Flugbegleiterin einfach nicht mehr gewohnt, ein Früstück und ein Abendessen garantiert zu haben und es ist schwer diesen Hamstertrieb von heute auf morgen abzulegen. Ich kann stolz behaupten, dass ich es geschafft habe, diesen wenigstens auf eine Flasche Wasser zu beschränken.

Die Übergabe der Reisepapiere verläuft problemlos, ich bin beeindruckt und Herr Thomas Cook hat mir auch alles ganz nett erklärt.

Am Check-In-Schalter von Condor überkommen mich dann aber die ersten Zweifel, ob ich da das Richtige gebucht habe, denn vor mir in einer Riesenschlange stehen Rentnerpärchen in der Überzahl, einige jüngere Pärchen oder die männlichen Single (oder auch nicht) Ballermannkandidaten mit Strohhut auf dem Kopf und Trinkhalm hinters Ohr geklemmt, nicht zu vergessen die Alkoholwolke, die schon über ihren Häuptern schwebt.

Nun gut, es gibt ja kein Zurück mehr und kaum bin ich an der Reihe, merke ich auch wieder die ersten Vorteile des Inkognitoreisens. Ich werde gefragt, welchen Sitzplatz ich denn bevorzugen würde!!! Meine Freude hält nicht lange an, denn auf dem Flieger merke ich, dass wohl auch die Bodenkollegin nicht alle Sitzplätze auswendig kennen kann und mein versprochener Sitz in einer Notausgangsreihe, ein Mittelreihe-Gangplatz neben einem dieser netten Rentnerpärchen hinter einer MUKI-Reihe ist... vielleicht dachte sie auch, ich wollte den Notausgang nur in Sichtweite haben, um im Falle eines Falles als eine der Ersten rutschen zu dürfen Dieser Gangplatz hat den kleinen Haken, dass einem während des Fluges ständig Knie und Kopf von herumlaufenden Passagieren, vorbeihetzenden Stusis oder deren Trolleys angerempelt wird... so wie ich das eben auch bei der Arbeit mache, wenn einer seine elenden Haxen im Gang verteilt oder vor lauter Müdigkeit den Kopf nicht mehr bei sich halten kann.

Doch auch dieses Erlebnis wird nach Abklingen der blauen Flecken wieder völlig in Vergessenheit geraten sein, denn schließlich warten ja nun Sonne, Strand und Meer auf mich, nachdem ich die letzte Station meiner Hinreise durchlaufen habe. Das Gepäckband. Ich bin keineswegs mehr überrascht darüber, dass mein Koffer als einer der letzten seine Runden auf dem Karussel dreht. So etwas bringt mich nicht aus der Ruhe und ich warte - gerne wäre übertrieben - aber ich warte. Ein aus dem Mund wie ein Aschenbecher riechender Typ in meinem Alter jedoch schafft es, mein Verlangen nach meinem Koffer wachsen und die unendliche Müdigkeit unerträglich werden zu lassen. Sein Vorschlag, wir könnten uns ja gegenseitig behilflich sein und nach unserem Gepäck Ausschau halten, bringt mich zum Grübeln. Ich kenne doch seinen Koffer gar nicht. Nun tut er mir ein wenig leid, weil ich überlege, wie lange der Arme wohl gebraucht hat, über diesen hohlen Hammerspruch nachzudenken (laut seiner Aussage stand ich in Frankfurt vor ihm am Schalter) und weil er keinerelei Talent dazu besitzt, meine Körpersprache RICHTIG zu deuten und alle paar Minuten erneut das Gespräch sucht. Aus Mitleid denke ich schon daran, eventuell doch mit ihm zu reden, aber die Müdigkeit siegt und ich habe keine Lust, nett zu sein... schließlich habe ich Urlaub...

Solche Momente erwecken den Drang in mir, wieder mit dem Beten anzufangen und ich hoffe nur ganz stark, dass wir nicht auch noch im gleichen Bus ins gleiche Hotel fahren werden. Offenbar wurden meine Gebete erhört, doch genau kann ich das nicht sagen, denn ich steige in den Bus wie die drei berühmten Äffchen und steige auch als Einzige aus dem Bus wieder aus. PUH!

Das Abenteuer kann beginnen, ich bin bereit und wenn mir nicht dieser Vulkan Elfalatralala, der sich vor einigen Wochen nach Jahrzehntelanger Abstinenz dazu entschlossen hat, wieder mit dem Rauchen anzufangen und uns alle in Mitleidenschaft zu ziehen, in die Quere kommt, bin ich in vier Tagen schon wieder auf dem Weg nach Hause

12.5.10 17:31
 


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